Interview mit Robert Keintzel

Hallo zusammen,

Vor einiger Zeit durfte ich den Autor Robert Keintzel interviewen und hab es seither nicht geschafft, euch das Interview zu zeigen. 

Ich hab überlegt, ob ich es ein klein wenig kürzen kann, aber ich finde seine Antworten so spannend, ihr bekommt es einfach ungekürzt und ungeschminkt. 

Ganz viel Freude beim Lesen! 


Vorstellung
Mein Name ist Robert Keintzel. Ich wurde 1992 in Günzburg geboren. Meine Eltern sind als Spätaussiedler aus Siebenbürgen in den 80er Jahren mit jeweils einen Koffer eingewandert. Meine Mutter entstammt der deutschen sowie mein Vater der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen (Transsilvanien).  
Ich habe auf den zweiten Bildungsweg über die Mittlere Reife, Fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife die Allgemeine Hochschulreife als Fachschaftsbester der Fachoberschule Neu-Ulm erreicht. In der 11. Klasse entschloss ich mich Medizin zu studieren und engagierte mich in meiner Zeit in der Oberstufe als Sanitäter beim Roten Kreuz und später als Sanitäter bei der DLRG. Nach meinem Abitur absolvierte ich ein FSJ im Rettungsdienst beim Roten Kreuz und bekam eine Zusage in der Laufbahn der Sanitätsoffizier über die Bundeswehr Medizin zu studieren. Nach Abschluss meines FSJ ereignete sich das Jahrhunderthochwasser 2013, hier meldete ich mich kurzfristig freiwillig für einen Humanitären Hilfseinsatz über ein oder zwei Wochen in Sachsen-Anhalt. Für meine Humanitäre Hilfe als Sanitäter bekam ich eine Auszeichnung von der Deutschen Regierung, Sachsen-Anhalt und den Land Bayern.
Von 2013-2017 studierte ich Medizin an der Universität Ulm und arbeitete parallel für das Uniklinik Ulm sowie das Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Daneben bildete ich mich u.a. durch das Certified Science Training an der Charité Berlin fort. Mich prägten die zahlreichen Begegnungen mit Menschen mit Krankheit und Behinderung in meiner Laufbahn als angehender Arzt sowie im Privaten. Ich entschloss mich 2017 den Studiengang zu wechseln und nicht mehr Arzt, sondern Sonderpädagoge zu werden. Von 2017-2021 studierte ich an der PH Ludwigsburg Lehramt Sonderpädagogik und schloss den Bachelor und Master unter der Regelstudienzeit ab. Hier wurde ich durch das Stipendium der Deutschlandstiftung Integration und des Begabtenstipendiums der Hans-Seidel-Stiftung gefördert. Mein Mentor im Stipendium der Deutschlandstiftung Integration war der damalige Bundesbeauftragter für nationale Minderheiten und Aussiedlerfragen Bernd Fabritius. Neben meinem Studium arbeitete ich als Reserveoffizier im Sanitätsdienst im Bundeswehrkrankenhaus Ulm als auch im Bereich Geschichtslehre an der Sanitätsakademie München. An der Sanitätsakademie München konzipierte ich ein Lehrkonzept als auch die Skripte für die geschichtliche Ausbildung der bundesweiten Sanitätsoffiziere. Nach meinem Abschluss des Studiums arbeitete ich als Sonderpädagoge für die Länder Bayern und Baden-Württemberg und bekam im Jahr 2021 eine Jobofferte als Sonderpädagoge für den Kanton Zürich zu arbeiten. Ab August 2021 arbeite ich als Sonderpädagoge für den Kanton Zürich.
Ich engagiere mich ehrenamtlich im Bereich Inklusion. Daneben gehe ich in Schulen, um über meine Biografie als auch meine Bücher zu erzählen. Ich versuche mit meinen Schulbesuchen den Schülern Mut zu machen und ein Vorbild zu sein.  



Erzähl gern etwas über die beiden Bücher, die du geschrieben hast.

Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung Dis/abled in der Antike
Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung Dis/abled in 500-1620
Immer noch wird den Menschen mit Behinderung zu wenig Beachtung geschenkt. Das gilt auch für die Geschichtsschreibung. Wie lebten Menschen mit Behinderung in der Antike, Mittelalter und Renaissance? Wie sah ihr Alltag aus? Welchen Berufen gingen sie nach? Wie wurden sie von ihren Mitmenschen wahrgenommen?
Auf diese Fragen gibt die Buchreihe „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung eine Antwort. Es möchte die Lücke in der Geschichtsschreibung der bislang kaum erforschten Geschichte der Menschen mit Behinderung füllen und aus ihrem Leben erzählen.
Die Bedeutung von Krankheit und Gesundheit wechselt in der Geschichte der Menschheit immer wieder. Normen und Wahrnehmungen verändern sich im Laufe der Zeit, ob eine Person behindert wird, unterliegt keinem Automatismus, sondern einem System an Wechselwirkungen.
Entsprechend wandelten sich für Menschen mit einer Krankheit oder Beeinträchtigung die ärztliche Behandlung, ihr Schutz im Rechtssystem und auch ihr Bild in der Philosophie.
In der Buchreihe wird die Wahrnehmung der Menschen mit Beeinträchtigung in der Medizin, Philosophie, im Rechtssystem, im Christentum, in der Gesellschaft und in der antiken Mythologie nachgezeichnet und ergründet, welche Faktoren dazu führten, dass eine Beeinträchtigung zur Behinderung wurde.

Auf interessante und originelle Weise die Sachbuchreihe exemplarisch die Geschichten zahlreicher Personen mit Beeinträchtigung, die für die antike Gesellschaft prägend waren.
Da ist zum Beispiel Kaiser Claudius. Seine Rolle als Sonderling und die Geringschätzung, die er als Mensch mit Beeinträchtigung erfuhr, half ihm, im politischen Rom zu überleben und zum Kaiser aufzusteigen.
Der junge Claudius, der stotterte und durch seine spastischen Lähmungen in seiner Mobilität beeinträchtigt wurde, ließ sich nicht behindern und entpuppte sich als fähiger Herrscher.
Im Mittelalter findet sich beispielsweise Johann von Luxembourg, der mit Ende dreißig auf einem Auge und später auf beiden Augen erblindete. Der Turnierheld und fähige Herrscher ließ sich nicht von seiner Beeinträchtigung behindern und übte noch im
selben Jahr seiner vollständigen Erblindung erfolgreich ein Kommando im Hundertjährigen Krieg aus.
Auch nach seiner Erblindung herrschte Johann von Luxembourg über sein Reich. Im Jahr 1346 nahm er an der Schlacht von Crécy teil und stürzte sich trotz seiner Blindheit in den Kampf. Er fiel auf dem Schlachtfeld und erlangte wegen seines Mutes internationale Achtung und Bewunderung.
Johann von Luxembourg stellte zu seiner Zeit die Verkörperung des Ritterideals dar und ist bis heute unvergessen.
Ergänzt werden das Buch und das E-Book durch die Android-App: Dis/abled in History Quiz. Leser und Leserinnen können mit der Quiz-App ihr Wissen zur Buchreihe „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung“ spielerisch und digital testen.


Was wünschst du dir, wenn es um Inklusion geht? Wo stehen wir und wo sollten wir hin?
Im Jahr 2009 wurde von Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Darin ist das Grundrecht auf Bildung beinhaltet:

Artikel 24 Bildung
(1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel,
Insgesamt ist Deutschland bemüht die Grundrechte gegenüber Menschen mit Behinderung zu garantieren und diese zu stärken. So ist die Förderquote (Anteil der Schüler*innen mit Förderbedarf an allen Schüler*innen der Primar- und Sekundarstufe I) seit der Ratifizierung der UN-BRK von 5,9% auf 7,7% gestiegen.
Siehe:
https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/hintergrund/zahlen-daten-und-fakten/inklusionsquoten-in-deutschland
Neben den Regelschulsystem existiert auch nach der Ratifizierung der UN-BRK ein Sonderschulsystem parallel weiter. Auch existiert neben den ersten Arbeitsmarkt ein zweiter Arbeitsmarkt weiter. Im Jahr 2019 arbeiteten gut 310 000 Menschen mit Behinderung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), dies entspricht gut 1/4 der Personen mit schwerer Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt.
Siehe:
https://www.arbeitsrecht.org/schwerbehindertenvertretung-2/inklusion/un-staatenpruefung-2020-fordert-einen-inklusiven-arbeitsmarkt-statt-wfbm/

Das Sonderschulsystem und das System des zweiten Arbeitsmarkts liefert viele Kritikpunkte wie beispielsweise niedrige Bezahlung oder die mangelnde Perspektive der beschäftigten Personen doch auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen, dennoch muss auch festgehalten werden, dass dieses System der Segregation auch positive Seiten hat. Sonderschulen und WfbM können auch Schutzsysteme sein, wo Menschen mit Behinderung nach ihren Möglichkeiten lernen und arbeiten können. Eine komplette Abschaffung des Sonderschulsystems oder der WfbM kann daher nicht einfach so erfolgen, ohne adäquate und realistische Lösungen zu bieten.  
Wir sind mit geringen Arbeitslosenzahlen konfrontiert. Unternehmen haben Schwierigkeiten Personal zu finden, so beispielsweise auch die Bundeswehr. Es ist wichtig hier aus der Geschichte zu lernen.  
Thersites, eine Figur aus der „Ilias“ des Homer aus der Zeit des 8. oder 7. Jahrhunderts vor Christus, hatte ein verkrüppeltes Bein. Auf die Frage, wie er damit im Trojanischen Krieg auf seinem Platz in der Phalanx kämpfen wolle, antwortete er, dass es darum gehe, standzuhalten und nicht wegzulaufen.  
In der Bundeswehr gibt es viele verschiedene Arbeiten. Ich selbst habe als Reserveoffizier in einen Sanitätsregiment gearbeitet und dort eine Gruppe begleitet, die Material bewirtschaftete. Sanitätsmaterial wurde bspw. auf MHD überprüft, gelagert und einfachere Arbeiten verrichtet. Viele Soldaten waren von der monotonen Arbeitet belastet und einige Soldaten entwickelten vermeintlich daraus psychische Erkrankungen.
In dem Verteidigungsministerium gibt es ein Stabselement “Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion.“
Siehe:
https://www.bmvg.de/de/aktuelles/chancengerechtigkeit-selbstverstaendnis-und-ziele-11268
Die Bundeswehr könnte vermehrt Menschen mit Behinderung in einfachen Tätigkeiten einsetzen und diese Personengruppen auf den ersten Arbeitsmarkt bringen als auch das eigene Problem der unbesetzten Stellen zu lösen. Hier könnte man bspw. eine Spitzensportgruppe der Special Olympics einführen (Es gibt keine Spitzensportgruppe für Menschen mit Geistiger Behinderung in der Bundeswehr), die für ihren Sport trainieren könnte aber auch ganz normal für die Bundeswehr arbeitet. Der Dienst an der Waffe könnte hierbei ausgeklammert werden. Diese Idee ist nicht neu, so gibt es mit Special in Uniform ein Programm in Israel, welches Menschen mit Behinderung (Inklusive Menschen mit Geistiger Behinderung) in die Streitkräfte integriert.
Siehe:
https://specialinuniform.com

Insgesamt bemüht sich Deutschland seit 2009 mehr die Grundrechte für Menschen mit Behinderung zu garantieren und diese umzusetzen. Es wäre aber noch mehr
möglich. In der Schweiz sehe ich ein integrativeres Schulsystem. Die Zahl der Schüler in Sonderklassen und Sonderschulen ist um 40% seit 2005 zurückgegangen. Die UN-BRK ist in der Schweiz 2014 ratifiziert worden.
Siehe:
https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/schulen-in-der-schweiz--zwischen-inklusion-und-exklusion/48586830

Im Kanton Zürich, wo ich arbeite, sind Fachlehrpersonen und Therapeuten direkt an der Schule angesiedelt, so gibt es Sonderpädagogen oder Logopäden im Schulhaus. Diese Entwicklung zu einer Ansiedlung von Experten an Schulhäusern wird in manchen Bundesländern in Deutschland diskutiert.
Ich habe bereits früh angefangen viel zu Geschichte zu lesen. Zusätzlich kommt dazu, dass ich ein gutes Gedächtnis habe, wenn es um Geschichte geht. Meine Bücher fußen daher auf jahrelange Recherche und Studium

Du hast zwei Bücher geschrieben über Menschen mit Beeinträchtigungen in der Geschichte der Menschen. Kein alltägliches Thema. Was hat dich daran gereizt bzw. wie kamst du auf dieses Thema?  
Ich bin sehr an Geschichte insbesondere Medizingeschichte und Disability History interessiert. Die Bücher, welche ich für meine Arbeit benötige, würde ich auch im privaten Lesen bzw. habe ich bereits gelesen. In meinen Studium Lehramt Sonderpädagogik habe ich als Hauptfach Geschichte gewählt. Hier kam mir die Idee bei der Suche eines Themas zur Bachelorarbeit, doch meine Studien Medizin, Geschichte und Sonderpädagogik zu verbinden. In meiner Bachelorarbeit habe ich das Thema „Medizin und Behinderung im antiken Rom“ gewählt. Alle waren überrascht, da der Fachbereich Disability History auch in der Sonderpädagogik wenig beleuchtet war sowie ist und niemand aus den Fachbereich Sonderpädagogik an der PH Ludwigsburg mich so wirklich betreuen konnte. Später schrieb ich meine Masterarbeit auch im Bereich Disability History aber diesmal mit der zeitlichen Eingrenzung 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart und der örtlichen Eingrenzung Mitteleuropa. In Deutschland sowie Österreich gibt es nur jeweils einen Lehrstuhl für Disability History in Köln und Innsbruck. In der Schweiz gibt es keinen Lehrstuhl für Disability History. Ich fand es spannend und wichtig etwas so komplexes wie Behinderung in der Geschichte zu beschreiben. Geschichte ist nicht Vergangenheit und wir können von der Geschichte für die Gegenwart lernen und eine Prognose für die Zukunft machen. Ich fand und finde es unverständlich, dass es in den USA eine große Beachtung der Disability History gibt sowie mit „A DISABILITY HISTORY OF THE UNITED STATES“ von E. Nielsen ein sehr erfolgreiches Buch auf den Mark ist aber Mitteleuropa bzw. der deutschsprachige Bereich die Disability History so unbeachtet lässt. Gegenwärtig mache ich berufsbegleitend meinen zweiten Master in Sonderpädagogik mit Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik an der Universität Fribourg (Schweiz) und schreibe meine dritte Diplomarbeit über Disability History.  

Du hast mit deiner Frau zusammen eine Wissens-App zum Buch konzipiert. Ich feier das immer noch. Aber wie kamst du auf die Idee und was ist das Ziel?  
Meine Frau ist App-Entwicklerin für ein Unternehmen mit einer bekannten App, welches weit über 1. Millionen Downloads hat. Zusammen mit meiner Schwiegermutter hat meine Frau in der Corona-Zeit eine Quiz-App „Finnland Führerschein“ über Finnland entwickelt. Meine Schwiegermutter ist finnische Reiseunternehmerin.
Der „Finnland Führerschein“ legte die Basis für weitere Quiz-Apps. Gemeinsam kam ich mit meiner Frau auf die Idee meine Bücher mit Apps zu ergänzen. Diese Apps sind im Bildungsbereich angesiedelt und sollen nach den Bildungsprinzip von Klafki Bildung exemplarisch vermitteln. Diese Apps sind kostenlos und sollen einen spielerischen Zugang zu Bildung unabhängig von der Größe des Geldbeutels sicherstellen. Bildung ist ein Grundrecht und es ist mir zusammen mit meiner Frau wichtig, dass auch weniger privilegierte Personen sich bilden und damit an der Gesellschaft teilhaben können.

Was wünschst du dir für deine Geschichten?
Zum einen möchte ich, dass die breite Gesellschaft meine Geschichten lesen und begreifen, dass Behinderung etwas anderes bedeutet wie Beeinträchtigung. Behinderung ist kein Automatismus und Menschen mit Behinderung können erfolgreich und glücklich sein, dies zeigt die Geschichte und es gibt auch genug Personen in der Gegenwart, welche als Vorbild dienen.
Daneben würde ich gerne den Fachbereich Disability History in Mitteleuropa schärfen und das Wissen aus meinen Büchern in den Fachbereichen Sonderpädagogik, Medizin und Pflege etablieren. Meine Bücher fassen enormes Wissen über Epochen zusammen und sind einzigartig. In meinen Medizin- und Sonderpädagogikstudium habe ich nichts über Disability History von meinen Dozenten gelernt, da Disability History leider in Mitteleuropa wenig beachtet wird und nicht im Studium implementiert ist. Die Geschichte der Menschen mit Behinderung sollte aber Bestandteil des Studiums sein, wenn jemand Arzt oder Sonderpädagoge sein möchte.
Insgesamt sollen meine Bücher zu mehr Inklusion bzw. Integration von Menschen mit Behinderung führen.


Hast du weitere Bücher geplant?
Gegenwärtig überarbeite ich mein Buch „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung Dis/abled in 500-1620.“ Mein Buch habe ich erweitert, inhaltlich geschärft und ich lasse es nochmals komplett lektorieren. Für mich ist Professionalität sowie Perfektion wichtig und ich möchte meinen Lesern ein hervorragendes Leseerlebnis bieten.
Daneben bin ich gerade dabei ein Quiz-Buch über Siebenbürgen zu veröffentlichen. Im Jahr 2022 habe ich zusammen mit meiner Frau und meinen Vater eine Android Quiz-App „Transylvania Quiz“ bzw. „Siebenbürgen-Quiz“ veröffentlicht. Hierbei wurden wir bei der Bewerbung um eine Förderung vom Präsidenten des Bundes der Vertriebenen und der Bundesbeauftragten für nationale Minderheiten und Aussiedlerfragen unterstützt. Leider bekamen wir keine Förderung und wir machten das Projekt als eine Art Familienprojekt weiter. Ich habe den Inhalt auf Deutsch entwickelt sowie in Englisch übersetzt. Mein Vater übersetzte den Inhalt auf Ungarisch und Rumänisch und meine Frau war für das Design und die App-Entwicklung zuständig. International wurde in den Zeitungen „Siebenbürgische Zeitung,“ „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien,“ „Hermannstädter Zeitung,“ „Augsburger Allgemeine“ und „Neue Zeitung - Ungarndeutsches Wochenblatt“ über die Quiz-App „Siebenbürgen-Quiz“ in Deutschland, Ungarn und Rumänien berichtet.
Relativ bald beginnt auch die Übersetzung meines Buches „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung Dis/abled in der Antike“ in die englische Sprache.
Wenn ich mit meinem zweiten Master in Sonderpädagogik in der Schweiz fertig bin, möchte ich den letzten Teil meiner Buchreihe „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung“ schließen und an 1620 bis zur Gegenwart anknüpfen. Für danach gibt es zahlreiche Ideen.  

Wie hat sich die Akzeptanz und das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen verändert?  
Insgesamt kann man sagen, dass es nicht den Menschen mit Beeinträchtigung gibt. Beeinträchtigung ist genauso wie Behinderung sehr komplex. Daneben gibt es Unterschied wie ein Mensch in der Gesellschaft oder der Familie eingebunden ist und welche persönliche Ressource er hat. Mit Ressourcen meine ich nicht nur Geld, wobei dies auch ein protektiver Faktor ist, sondern mitunter den Bildungsgrad oder wie die Person mit persönlichen Schicksalsschlägen umgeht.  
Ob eine Beeinträchtigung zur Behinderung wird ist, ganz individuell, so ist eine Person mit Sprachbeeinträchtigung in einem Kloster mit Schweigegelübde nicht behindert.

In der antiken Welt sowie im Mittelalter und Renaissance waren Menschen mit Beeinträchtigung nicht selten. Beeinträchtigung in Folge durch die Geburt oder nach der Geburt waren häufiger. Die Geburt, aber auch das spätere Leben stellten eine Gefahr dar, und Schutz in Form von professionellen Geburtshelferinnen, Ärzten oder insgesamt der Medizin war nicht immer gegeben beziehungsweise für bestimmte Personenkreise nicht immer im gleichen Maß zugänglich. Bestimmte Formen von Beeinträchtigungen waren verbreiterter als heute in den Industrieländern. Beispielsweise waren in den Inschriften von Epidauros Erkrankungen der Augen der häufigste Grund, warum Menschen im Asklepieion von Epidauros medizinische Hilfe suchten. Noch in der Gegenwart sind 39 Millionen Menschen weltweit erblindet, davon leben 90% in Entwicklungsländern. Der Hauptgrund für eine Erblindung sind übertragbare Krankheiten.  
Dagegen zeigt sich, dass Beeinträchtigung infolge der Zeit vor der Geburt weniger häufig war. Mütter bekamen sehr früh Kinder, sodass es in Relation weniger Menschen mit Down-Syndrom gab als heute. Auch starben häufiger als heute Neugeborene mit schwerer Beeinträchtigung. 3 bis 7% der Neugeborenen mit „Fehlbildungen“ benötigen eine medizinische Versorgung, um zu überleben. In der Antike, Mittelalter und Renaissance waren schwere Beeinträchtigungen für das Überleben weitaus schwerwiegender als in der Moderne und stellten damit auch häufig eine schwere Behinderung dar.
Insgesamt zeigt sich eine starke Differenzierung der Lebensrealitäten der Menschen in der Antike. Der Mensch im antiken Rom lebte wie der Mensch in den heutigen ärmeren Regionen in einer vom Agrarsektor geprägten Wirtschaft, bei der sich die Menschen zumindest auf dem Land versuchten selbst zu versorgen. In der Antike betrug das durch-schnittliche Lebensalter circa 35 Jahre. Und es herrschte eine hohe Kindersterblichkeit.  
Es macht einen Unterschied, ob eine Person in Griechenland, in Zentralitalien oder in einer der zahlreichen römischen Provinzen lebte. Auch war ein Gebiet nicht homogen, sondern die Lebensrealität war in der Stadt oder auf dem Land eine andere. Auch war es entscheidend, ob das Land unfruchtbar oder fruchtbar war oder ob es an der Küste lag mit der Möglichkeit zum Fischfang. Die Voraussetzungen zum wirtschaftlichen Bestehen in der Stadt unterschieden sich von denen zum Dorf. Mobilität war auf dem Land eine wichtige Voraussetzung zum wirtschaftlichen Bestehen. Der Acker musste bestellt, Lasten getragen, Vieh getrieben oder Güter zum nächsten Markt gebracht werden. Die Strecken waren in der Stadt kürzer und die Möglichkeiten zum Gelder-werb, aber auch die Mildtätigkeit waren in der Stadt größer. Dagegen war die familiäre Solidarität auf dem Land ausgeprägter, um mit einer Beeinträchtigung der Mobilität zu leben.
Die Menschen verändern sich mit der Zeit und mit ihnen die Normen. Was normal und nicht normal ist, kann auch der Geschichte der Medizin entnommen werden. Die Medizin veränderte sich hin zu einer immer rationaleren Medizin.
Die antike Medizin kann sich durchaus messen mit der Medizin der Gegenwart. Sie legte Grundsteine in allen Bereichen und ist in nicht wenigen Bereichen aktuell. Ein fester Platz in der Wissenschaft musste erkämpft werden, und eine Professionalisierung setzte ein. Die Strahlkraft der Antike ist im Fall der Medizin begründet.  
Menschen in der Antike waren viel öfter als in der Gegenwart krank oder beeinträchtigt, die Vorstellung vom antiken Menschen in der weißen Toga stimmt so nicht allumfassend. „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ ist wohl der bekannteste Spruch, der vermeintlich aus der Antike stammt. In Wirklichkeit hat Juvenal das nicht in dieser Form gesagt. „Mens sana in corpora sano“ war der Ausdruck eines Wunsches. Es war Kritik daran, dass die Gläubigen für alles Mögliche beteten, aber nicht für Gesundheit des Körpers und Geistes. Die herkömmliche Interpretation steht in Korrelation mit dem Geschichtsbewusstsein. Menschen mit Beeinträchtigung gehörten zum Alltagsbild der Antike. Auch Dichter wie Homer oder Kaiser wie Claudius gehörten zu den beeinträchtigten Menschen. Die Vorstellung einer antiken Gesellschaft aus Menschen ohne Krankheit und Beeinträchtigung ist nicht zutreffend, genauso wenig wie die Vorstellung der Tötung von Menschen mit Beeinträchtigung oder Krankheit, die lange als gesichert galt und sich noch heute in mancher Fachliteratur wiederfindet.  
Die gemeinschaftliche Partizipation und die Lebensumstände von Menschen mit Beeinträchtigung wurden von individuellen Faktoren beeinflusst. Eine generelle Tötungspraxis bei Neugeborenen mit Beeinträchtigung konnte nicht nachgewiesen werden. Eine allumfassende Achtung der Würde des Menschen mit Beeinträchtigung in Denken und Handeln kann allgemeingültig für das Römische Reich in der Antike nicht festgestellt werden. Hierbei muss aber auch gefragt werden, ob ein allumfassender Humanismus gegenwärtig in einem Land herrscht.
Es bleibt aber festzustellen, dass die Antike im Allgemeinen und das Römische Reich im Speziellen in vielen Punkten, was Humanismus und Inklusion betrifft, zurücklag, in manchen Punkten aber weiter war als die Bundesrepublik Deutschland heute.  

Insgesamt zeigt sich eine starke Differenzierung der Lebensrealitäten der Menschen im Mittelalter und Renaissance. Der Bauer beispielsweise in Norddeutschland hatte nicht dieselbe Lebensrealität wie der Bauer in Süddeutschland, auch wurde Herrschaft nicht überall gleich stark sowie in gleicher Qualität praktiziert. Es gab grausame und soziale Herrscher, Nachbarn, Verwalter und Kleriker. Diese Machtstrukturen waren eng verwoben, bekämpften sich teilweise und arbeiteten aber auch zusammen.  
Die unterschiedlichen Lebensrealitäten zeigten sich auch in der Lebenserwartung. Männer wurden im Mittelalter und Renaissance ca. 35 Jahre und Frauen ca. 28 Jahre. Wer alt wurde oder früh starb hatte auch etwas mit dem Stand zu tun, so wurde der adelige Stand etwa 47 Jahre alt. Das niedrige Alter ist u.a. mit der hohen Kindersterblichkeit begründet.  
Der Mensch mit Beeinträchtigung wurde im Mittelalter vereinzelt, als Monster gesehen. Die Kirche benutzte Darstellungen und Schriften über ‚monströse Menschen‘, um Angst und Schrecken vor den Teuflischen zu verbreiten. Genauso wie das Fegefeuer war das Monster eine Verbildlichung von Sünde und Schuld, die benutzt wurde, um den Menschen auf dem rechten Pfad der Tugend zu halten sowie den Ablasshandel anzukurbeln. In der Renaissance wurde das ‚Phänomen' der Beeinträchtigung vermehrt naturwissenschaftlich und weniger übernatürlich gesehen. In der Renaissance war aber keineswegs die Mythisierung von Beeinträchtigung vorbei. Vor allem die ‚Wahnsinnigen‘ wurden stigmatisiert und als ‚unheimliche Fremdlinge‘ wahrgenommen.
Bei der Frage nach dem Einfluss von Armut auf Morbidität, Mortalität und Beeinträchtigung zeigt sich, dass die Bevölkerung von ärmeren Regionen, wie das heutige Afrika, im Vergleich zum gegenwärtigen Europa eine höhere Morbidität, Mortalität und einen höheren prozentualen Anteil an Beeinträchtigung aufweist. So betrug der afrikanische DALY-Wert im Zusammenhang mit Armut und gesundheitlicher Belastung pro 1000 Einwohner um das Vierfache des DALY-Werts reicher Regionen. Der DALY-Wert misst die Belastung durch gesundheitliche Einschränkungen, diese zeigen sich stark erhöht in ärmeren Regionen.  
Der DALY-Wert und der Vergleich von Regionen der Antike oder des Mittelalters und Renaissance mit ärmeren Regionen in der Gegenwart ist nur eine Annäherung.
Wie viel Zeit hast du mit Recherche verbracht, um deine Bücher zu schreiben? Und wie bist du vorgegangen?

Ich habe meine Studien der Medizin, Geschichte und Sonderpädagogik miteinander verknüpft. In meiner Recherche habe ich alles gelesen, was zu den Thema Geschichte und Behinderung in den letzten 50 Jahren geschrieben wurde. Daneben las ich zahlreiche Bücher über die Medizingeschichte, Religion, Ernährung, archäologische Funde, medizinische Studien, Politik, Gesellschaft, Familie, Altern usw. für die jeweiligen Zeiträume. Ich habe das gesammelte Wissen verknüpft und daraus eine Quintessenz gebildet und diese dann analysiert. Es ist in meinen Büchern wichtig multiperspektivisch vorzugehen. Es gibt verschiedene Blickrichtungen, die berücksichtigt werden müssen. Intersubjektive Erkenntnisse werden gewonnen, die dann verknüpft und analysiert als auch später als Geschichte erzählt werden. Dieser Prozess ist sehr komplex und ich lerne täglich dazu, dies ist auch der Grund warum ich mein erstes Buch „Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung Dis/abled in 500-1620“ komplett überarbeite, da ich in der Zwischenzeit viel Neues gelernt habe, was ich mit meinen Lesern teilen möchte.  
Für mein letztes Buch in dieser Buchreihe plane ich mindestens ein Jahr ein. Ich habe noch nicht mit den Schreiben begonnen.

Was möchtest du Menschen mit Beeinträchtigungen noch mit auf den Weg geben? Und was Menschen ohne Beeinträchtigung?
Menschen mit Beeinträchtigung werden häufig unterschätzt. Traut euch, seid mutig im Leben und macht euer persönliches Glück.

Menschen mit Beeinträchtigung haben immer schon zu unserer Gesellschaft gehört. Sie sind ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft und wir als Gesellschaft sollten sie teilhaben lassen, anstatt Menschen mit Beeinträchtigung zu behindern.  

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